Blog

2017 – Teil 6

 

Gott sei Dank – halbwegs heimische Wände, dachte ich, als ich in der Wohnung meiner Mutter ankam. Meine Mutter befand sich noch in der Reha und sollte erst am folgenden Tag nach Hause kommen. Nach all dem Stress legte ich mich erst einmal hin und diesen himmlischen Moment werde ich so schnell auch nicht vergessen. Stille und ein wirklich tiefes Gefühl von Frieden machte sich in mir breit. WOW, ich war so fasziniert und badete förmlich darin … hach, was war das schöööööön.

Am nächsten Tag kam meine Mutter zurück und es verlief soweit alles harmonisch und normal. Doch ich bemerkte schon, dass das Ganze auch Spuren an ihr ließ. Die Jüngste ist sie ja nicht mehr. Sie schlief nachts sehr unruhig und musste auch öfter aufstehen, was mich wiederrum unruhig machte. Dann eines Nachts, ich dachte ich bin im falschen Film, war meine Mutter wie verwirrt. Das machte mir riesige Angst. Gedanken, wie „Wie kann ich ihr nur helfen?“ und „Oh je, wenn sie jetzt noch dement wird“, schossen durch meinen Kopf. Ich wusste kein Rat und bekam kein Auge mehr zu in dieser Nacht. Mein Sohn, der im selben Haus wohnt wie meine Mutter, meinte am nächsten Morgen nur: „Entspann dich, Oma ist doch ganz normal.“ Ja, das war sie dann auch, doch die Nacht war grausam für mich. Es triggerte dermaßen meine Ängste, unbeschreiblich.
Als am selbigen Morgen noch das Deutsche Rote Kreuz kam zum Tablettenstecken und ich meine Not mitteilen wollte und um Hilfe bitten, bekam ich nur eine kurze Antwort: „Ihre Mutter ist eh alt und muss irgendwann gehen!“ Ich war fassungslos, sprachlos. Ich dachte mir nur: „Was sind das bloß für kalte Menschen.“ Da saß ich ganz alleine mit meiner Not und gut ging es mir dabei nicht.

Doch ich hatte ja zeitnah einen Termin bei meinem Neurologen, dem ich mein Befinden schilderte und ihn um eine passende Klinik bat. Er telefonierte mit einer Klinik und mit zwei Wochen Wartezeit konnte ich in einer neurologischen Klinik aufgenommen werden. Welch eine Freude, dachte ich, endlich komme ich mal wieder auf die Beine. Pusteblume, denkste …