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2016 – Teil 6

 

Da saß ich nun auf meinem Bett, träumte und wartete auf das Taxi, welches mich heimfahren sollte. Es klopfte, und nach meinem „Herein“ und einem Blick zur Tür fiel ich fast vor Schreck aus dem Bett. Da stand ER, mein Sonnenschein und Lieblingsfahrer! Welch Freude es in mir auslöste, das war schon schön. Er lächelte und nahm sich meines Gepäcks an, welches wirklich viel war. Nachdem ich mich auf der Station verabschiedet hatte, gingen wir zum Taxi und ich freute mich so sehr, endlich mal wieder mit ihm reden zu können. Doch es sollte nicht sein, denn er bekam mein ganzes Gepäck samt Rollstuhl usw. nicht ins Auto. Ich spürte seine schlechte Laune darüber, als er in der Zentrale einen anderen Wagen anfordern musste. So schnell trennten sich nun unsere Wege wieder, leider.

Zu Hause angekommen, gab es für mich auch noch einiges zu erledigen. Ich beschloss während des Klinik Aufenthalts, meine Physiotherapie vor Ort zu wechseln. Ich hatte das Gefühl, es wäre mal Zeit für Veränderung. Ein bisschen traurig stimmte mich das schon aufgrund einiger wirklich lieben Menschen, doch ich folgte dem Ruf meiner Seele.

Meine Seele rief mich damals genauso, mich für ein Online Interview mit Veit Lindau zu bewerben. Der Tag rückte näher und meine Aufregung stieg. Wobei ich von Timo, dem Teammanager wirklich gut eingewiesen wurde. Meine liebevolle Wegbegleiterin kam an dem Tag zu mir, um mich zu unterstützen, falls es Probleme geben sollte, das beruhigte mich sehr. Denn wie soll es anders sein: Als ich eine Stunde zuvor meinen Laptop hochfuhr, um in meinem Mailfach den Zoom Link bereitzustellen, ging natürlich nichts. Kein Anmelden möglich! Früher hätte ich Panik bekommen, wäre nervös und unruhig geworden, doch an diesem Tag spürte ich: „Okay, alles gut! Das Universum testet mich mal wieder.“ Ich blieb wirklich erstaunlich ruhig, weil ein innerer Teil in mir wusste: Wenn es soweit ist, läuft es auch. So wartete ich zu meiner Überraschung ganz ruhig bis es anfing. Bevor wir zur Aufnahme starteten, sprach Veit kurz ein paar Worte so zu mir, wobei ich ihn auch gleich um ein anschließendes Feedback bat. Wann hat man schon mal die Gelegenheit, so offen und ehrlich von einem Coach bewertet zu werden. Das Interview verlief super. Frei sprechen kann ich hervorragend.

Das Jahr neigte sich dem Ende zu und obwohl es mir wirklich gut ging, auch weil ich mich entschieden hatte, diesen Blog zu schreiben, blieb ein trauriges Ereignis mir nicht erspart. Eines nachmittags musste ich zum Hausarzt und da kam ER – mein Sonnenschein – mich abholen. Ich hatte ihn wochenlang nicht gesehen und es brannte immer noch in mir, das Erlebnis, welches nun schon fast ein Jahr her war, mit ihm zu klären bzw. darüber zu sprechen. Er schaute mich an, als würde er mir etwas sagen wollen, doch irgendwie brachte er kein Wort heraus. Doch ich konnte in seinen Augen und Lächeln lesen und es bedurfte keiner Worte. Ich nahm also allen Mut zusammen und sprach „dieses merkwürdige Erlebnis“ an und er war offen und ehrlich mit mir. Welch Erleichterung – endlich war das geklärt. Beim Arzt angekommen, ging auch alles recht schnell, so dass ich mich wieder abholen ließ. ER kam wieder und diesmal staunte ich nicht schlecht. Während der Fahrt legte er seine Hand auf mein Bein und sagte, ich solle NIE mehr nach ihm fragen. Was hatte das denn jetzt zu bedeuten? Gerade noch war ich glücklich, dass wir alles geklärt hatten und jetzt das! Ich war stumm, geschockt, völlig verpeilt könnte man auch sagen. Und schon standen wir schon vor meiner Tür. Er schenkte mir ein letztes Lächeln und ich sah ihn NIE WIEDER. Er hatte gekündigt, wie ich dann später erfuhr. Das war das Ende einer wundervollen gemeinsamen Reise.
Dieser Mensch hat durch seine Art, Worte, Blicke und sein Lächeln mein Leben in dieser Zeit so immens bereichert. Der Schlüssel zu dieser wundervollen Begegnung war die absolute Ehrlichkeit und Offenheit gegenüber. Sich einem Fremden so nackt zu zeigen, bedarf Mut. Doch dadurch sind ungeahnte Tiefen entstanden, die ich niemals in meiner Ehe hatte. Ich kann nur jedem Menschen ans Herz legen: Sei mutig 🙂

2017 geht es weiter …