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14 Tage im Koma

By November 9, 2016Januar 26th, 2017No Comments

Ein Ausflug ins Unfassbare

„Ja, und wie ist das so?“, fragt sich vielleicht der ein oder andere. Ich denke, so etwas ist immer schwer in Worte zu verpacken, doch ich versuche es mal. Wohin meine Reise ging, kann ich so genau nicht sagen. Ich hatte das Gefühl, ich wäre in der Natur, in einem Park oder so. Ich weiß nur: Was ich da erfuhr, das hatte ich in meinem menschlichen Dasein so noch nicht empfunden. Es fühlte sich atemberaubend schön an. Als würde ich schweben im freien Raum. Mein Körper war wie aufgelöst. Ich hatte das absolute Glücksgefühl – GLÜCKSELIGKEIT durchdrang mich, wobei ich ja ein schwebendes Nichts war. Unfucking unfassbar, soooo ein hammergeiles Gefühl!!!
Doch dann – nahm ich Stimmen wahr. Irgendwie musste ich aus diesem schönen Bild und dem wunderbaren Gefühl wieder raus. Es machte mich traurig, weil es doch so unsagbar schön war. Heute sage ich: Wenn das der Tod war, dann ist er ein himmlisches Glücksgefühl, vor dem sich niemand vor ängstigen sollte.
Dann erinnere ich mich noch an zwei verschiedene Träume: Der eine führte mich in eine scheinbar andere Zeit. Ich könnte mir vorstellen, dass es ein anderes altes Leben war. Ich glaube schon an die Reinkarnation. Zumindest deuten die Bilder, die Bruchstücke der Erinnerung darauf hin. Der andere Traum führte mich wie vor ein „Komitee“, das scheinbar darüber entscheiden sollte, ob sie mich weiter mit auf die Reise nehmen. Die Träume fühlten sich sehr echt und real an, als sei ich live dabei gewesen.
Zu meinem Bedauern konnte meine Familie leider nicht so oft vorbeikommen, denn ich lag fünf Stunden Autofahrt einfache Strecke von der Heimat entfernt. Dennoch möchte ich jedem sagen: Besucht, berührt die Menschen. Ich habe zwar nix vom Besuch mitbekommen, aber ich habe die Stimme meines Sohnes wahrgenommen. Ob das in dem Moment war oder die Erinnerung, wie auch immer, kann ich nicht sagen. Das Gefühl bereichert einfach ungemein und unser Unterbewusstsein scheint alles zu speichern.
Ein Teil von mir hat mir wohl auch später zumindest berichtet über die Kämpfe, die ich da im Bett geführt habe. Meine Arme müssen fixiert gewesen sein, denn ich hatte Bilder auf meinem Handy, auf denen die Arme schön gelb-blau gemustert waren. Ich frag mich heute noch wie die Bilder darauf gekommen sind?! Das Fixieren dient vermutlich Sicherheitsmaßnahmen, damit man sich die Schläuche nicht versehentlich selbst aus dem Körper zieht.
Nach 14 Tagen bin ich dann wieder erwacht. Ich hatte überhaupt keinen Plan, wo ich bin, was passiert ist. Nichts! Und keiner war da, der mir was erklären konnte. Das war ein wirklich Scheiß-Moment – sorry, aber da gibt`s nichts schön zu reden. Ich weiß gar nicht, ob ich da schon denken konnte. Irgendwann jedenfalls fing mein Hirn an, aktiv zu werden. Ich dachte in dem Moment, man hätte mich in einen Geheimgang in der Rehaklinik, in der ich vorher war, geschoben – ja, lach ruhig. Mir fehlte ja jegliche Erinnerung an den Transport in die Klinik.
Und ich kann dir heute noch nicht mal sagen, wann ich was realisiert habe und wer mir was erzählt hat. Ich weiß nur, dass ich nicht mehr richtig gucken konnte. Aufstehen sowieso nur mit Hilfe und dann der SCHOCK: Es zog mich wie ein Magnet links zur Erde runter. Was da für Kräfte wirken – unbeschreiblich!!! Somit war ich fortan an den Rollstuhl gebunden. Mit Laufen war da nix mehr. Dann liegst du da alleine mitten in der Pampa, fern der Heimat. Kein tolles Gefühl, doch irgendwie steht man noch so neben sich, dass man auch das gar nicht richtig realisiert. Diesen traumatisierten Schmerz durfte ich erst vor kurzen noch mal fühlen und heilen. Ich war auch in einer Klinik, etwas weiter entfernt, und vermisste meinen Sohn, meine Mutter – ich hab Rotz und Wasser geheult. Bis ich dank ärztlicher Hilfe dem allen auf die Spur kam. Was auch wieder zeigt, dass jeder nicht gefühlte Schmerz so lange in unserem Körper bleibt, bis er wirklich erkannt und gefühlt werden darf. Dann löst er ich auf sanfte Weise auf und geht. Davon und von ähnlichen Prozessen habe ich die letzten drei Jahre mein ganzes bisheriges Leben reinigen und transformieren dürfen.
Okay, zurück zur Klinik: Dann standen sie wieder da wie ein Rudel. Geschätzte 10-20 Leute waren um mein Bett verteilt. Das Leuchten mit der Taschenlampe in die Augen kam mir schon irgendwie vertraut vor. Genauso wie die Stimme, die immer schimpfte, weil ich mir wohl ständig die Sauerstoffmaske vom Gesicht zog. Scheinbar war ich wohl dann soweit, dass das Team vor meinem Bett beschloss, mich auf eine andere Station zu verlegen. ENDLICH wurden damit auch unzählig viele Schläuche von mir entfernt. Ob ich wirklich schon fit war, weiß ich nicht mehr, wie so vieles andere auch nicht.
Angekommen auf dem neuen Zimmer ging das wieder los. Wo bin ich? Wer sind die? Was ist passiert? Gott sei Dank kam Besuch aus meiner Reha Klinik.

Nun erfuhr ich zum ersten Mal, was passiert war. Zumindest blieb mir das in Erinnerung. Ich glaube allerdings, dass ich da noch unter Schock oder Medikamentendrogen stand. Denn es schien mich alles kaum zu berühren. Das einzig Besorgniserregende war diese enorme Erdanziehung nach links, wenn ich mal aufstehen sollte – dieser Magnetismus ist mir heute noch unerklärlich.

Ich lag noch weitere 14 Tage auf Station, bis ich dann in eine Reha-Maßnahme verlegt werden konnte. Das alles gestaltete sich auch nicht so einfach, denn die Behörden waren sichtlich überfordert mit meinem Fall. Denn es entsprach nicht der Norm. Mitdenken und Erkennen waren gefragt, was scheinbar manchmal für einige zu viel war. Wenn man in eine Reha kommt, sollte die 200 km im Umkreis des Krankenhauses liegen. Nun lag ich ja 500 km fernab der Heimat und wollte natürlich heimatnah verlegt werden. Es entstand ein HIN und HER zwischen Krankenkasse und Rententräger, weil niemand die Kosten für den Transport übernehmen wollte. Ich hatte das große Glück das mein Ex-Mann sich der Sache annahm, denn ich hätte das in meinem Zustand gar nicht gekonnt. Da das Ganze ja in einer Reha passierte, sorgte das alles wohl für Verwirrung. Privat hätte der ganze Spaß 1500 € gekostet. Naja, am Ende klappte dann doch alles wie gewünscht. Allerdings musste ich – damit auch alles rechtens läuft in Deutschland – erst eine Nacht nach Hause Zuhause schlafen, bevor ich in die Reha durfte. Nun war ich ja voll pflegebedürftig zu der Zeit – glaub man nicht, dass da einer dran dachte. Gott sei Dank hatte ich liebe Menschen, die mir halfen. Außerdem war das Balsam für die Seele. diese eine Nacht zu Hause. Ich habe mich im Bett wie eine Königin gefühlt, das war soooo schön. So wurde ich dann am nächsten Tag wieder abgeholt von einem Krankentransport, um meine Reha zu starten. Doch bevor ich von dort weiter berichte, möchte ich einen großen Schatz mit dir teilen, den ich aus dieser Zeit bergen durfte: DEMUT